Dienstag, 27. Januar 2009

Rätselhafte Moundbuilder

Gisela Ermel

Vortrag, gehalten auf dem One-Day-Meeting der Forschungsgesellschaft für Archäologie, Astronautik und SETI, München, Oktober 2007



Bevor ich auf mein eigentliches Thema - die Moundbuilder - zu sprechen komme, möchte ich ein paar Worte über das Phänomen Kultursprung sagen. Was ist ein Kultursprung? Nach Meinung der Archäologen etwas, das es gar nicht geben dürfte. Ein Volk kann nicht einfach so ein paar Entwicklungsstufen auslassen und auf einer sehr viel höheren Stufe weitermachen. Es sei denn, es kommt in Kontakt mit höherstehenden Kulturbringern.

Genau dies aber - das plötzlich vorhandene Know how auf Hochkulturniveau - gab es im prähistorischen Nordamerika, und zwar schon ab einer Zeit vor fast viertausend Jahren. Um es gleich auf den Punkt zu bringen: die Moundbuilder als eine gemeinsame Kultur gibt es nicht. Es handelt sich um ganz unterschiedliche Kulturen, die vor allem eines gemeinsam hatten: sie bauten mit Erde.

Vor gut 4000 Jahren streiften kleine Gruppen von Jägern und Sammlern über den nordamerikanischen Kontinent. Es war eine Zeit der Nomaden, ohne übergeordnete Organisation, eine Zeit der einfachen mobilen Behausungen, der Steinwerkzeuge und Speerspitzen.



Poverty Point

Doch dann geschah etwas Mysteriöses. Irgend jemand versammelte Hunderte dieser primitiven Jäger und Sammler, um sie ein vorgeplantes und arbeitsaufwendiges Grossprojekt durchführen zu lassen. Was hier nun geschah, bezeichnen die Archäologen als "kulturellen Big Bang": praktisch von einem Tag auf den anderen erbauten die Menschen eine Struktur, zu der hochstehendes Knowlegde ebenso vorhanden gewesen sein muss wie Logistik, Kontrolle und Organisation auf hohem Niveau.



Zeichnerische Rekonstruktion von Poverty Point (Jon Gibson)



Die zentrale Struktur von Poverty Point - so wird dieser archäologische Fundplatz in Louisiana heute benannt - war ein halbkreisförmiger Komplex, bestehend aus sechs Ringwällen mit vom Zentrum sternförmig ausgehenden Gängen. Anfangs wunderten sich die Archäologen, dass diese Gänge nicht perfekt symmetrisch angelegt worden waren, und frühe Skizzen des Fundplatzes korrigierten stillschweigend die Masse, um eine nicht vorhandene Symmetrie vorzutäuschen.



Ältere Zeichnung von Poverty Point



Doch die Ergebnisse der modernen Ausgrabungen und Vermessungen zeigen ganz klar, dass diese Struktur genau so geplant wurde und alles genau da steht, wo man es haben wollte.

Seit den 1970er Jahren wissen wir, dass die gesamte Anlage von Poverty Point auf der Basis eines ausgeklügelten geometrischen und astronomischen Layouts entworfen, geplant und erbaut wurde. Einer der Gänge, der die Ringwälle durchschneidet, führt beispielsweise exakt - vom Zentrum aus gesehen - zum Punkt am Horizont, an dem damals die Sonne am Tag der Wintersonnenwende aufging. Ein anderer Gang zeigte auf den Punkt der Sommersonnenwende. Zwei Mounds lagen gemeinsam auf einer weiteren Sonnwendlinie, und drei andere Mounds der Anlage bildeten eine Nord-Süd-Linie, die genau durch den grösseren Mound verlief. Das alles konnte kein Zufall sein.

Poverty Point passt ganz einfach nicht zum Evolutionsmodell, das besagt, dass eine Kultur sich langsam, beständig und sicher fortentwickelt, von einfachen zu komplexen Formen. Der Archäologe Kidder meinte einmal: "Nach herkömmlicher Lehrmeinung dürfte es Poverty Point überhaupt nicht geben!"

Der Zweck dieser Anlage ist uns völlig unbekannt. Ein gigantischer Kalender? Doch wozu hätten Jäger und Sammler einen genauen Kalender gebraucht?

Während die einen fleissig Korb um Korb Erde herbeischleppten, um die Anlage zu erbauen, waren andere Menschen in etlichen Werkstätten dabei, wie am Fliessband Tausende und Abertausende von Gegenständen herzustellen: Schmuck, Werkzeuge, Waffen, Steinpfeifen und vieles mehr, z.B. hochwertige stilisierte Miniaturperlen in Tierform.


Steinperlen von Poverty Point


Rätselhaft finden die Archäologen die wie Senkbleie aussehenden Objekte und die sog. Poverty Point Objects aus Ton, deren Zweck man bis heute nicht kennt. Es gab sogar mehrere ferne Aussenstellen-Werkstätten, in denen ebenfalls solche Gegenstände massenweise hergestellt wurden. Das Material wurde zum Teil aus bis zu 2500 Kilometern Entfernung herbeigeholt, um dann verarbeitet zu werden. Merkwürdigerweise wurde der grösste Teil dieser Artefakte absichtlich unter der Erde in Massen-Depots vergraben. Alles war in "unvernünftigen" Mengen hergestellt worden, ohne dass die Leute von Poverty Point Handel oder Export betrieben.

Genau so rätselhaft, wie alles begann, hörte es auch auf. Das Ende war plötzlich und für uns unerklärlich. Die Anlage wurde ebenso wie die Aussenstellen-Werkstätten einfach aufgegeben und verlassen. War das Projekt beendet, der Masterplan vollendet? Als alles fertig gebaut, später alle Artefakte hergestellt und alle Depots vergraben waren, zogen die Leute von dannen, um hinfort wieder jahrhundertelang als einfache Jäger und Sammler durch die Lande zu ziehen.

Und so blieb es bis zum nächsten Big Bang viele Hundert Jahre später. Inzwischen hatten Angehörige der sog. Adena-Kultur hin und wieder einfache runde Begräbnishügel erbaut, während andernorts weiterhin die Jäger und Sammler ihrer Wege zogen. Nordamerika verharrte weiterhin auf Steinzeitniveau.


Die Hopewell-Kultur

Doch dann - vor etwa 2000 Jahren - kam es erneut zu einem unerklärlichen Kultursprung. Wieder versammelte irgend jemand zahlreiche Menschen, um sie ein gigantisches Bauprojekt durchführen zu lassen. Diesmal im und um das Gebiet des heutigen Staates Ohio. Woher all die nötigen Arbeitskräfte kamen, kann man sich denken, denn die archäologischen Forschungen haben ergeben, dass zu der Zeit, als dieser Kultursprung stattfand, zahlreiche Siedlungen der Adena auf einmal verlassen waren.

Diesmal wurden zahlreiche Erdwerkstrukturen erbaut, die aus Wällen bestanden, die grosse freie Innenflächen umschlossen, kombiniert mit Mounds, Strassen und anderen Strukturen. Alles wurde nach einem komplizierten, vorgeplanten Layout ausgeführt. Die einzelnen Erdwerkanlagen überall im Gebiet der Flüsse Ohio, Illinois und Mississippi waren aus verschiedenen Formen und Strukturen zusammengesetzt, alles miteinander verbunden, jeweils zu einem zusammenghörigen Ganzen.


Skizze der Erdwerkanlage von High Bank Works, gezeichnet von Squier und Davis 1848


Die Erklärung für die Bedeutung dieser Formen kam aus einem relativ jungen Forschungszweig, der Archäoastronomie. Der Forscher Ray Hively machte die Entdeckung, dass das Oktagon von Newark einen exakten Mondkalender darstellte, passend zu der Zeit vor gut 2000 Jahren, anzeigend die Punkte am Horizont der sog. Grossen und Kleinen Mondwenden des 18,6 Jahre dauernden Zyklus.


Das Oktagon von Newark: ein exakter Mondkalender


Der Archäoastronom Romain konnte später ergänzen, dass als Basis für das Layout der gesamten Anlage die Linie diente, die auf den nördlichsten Aufgangspunkt des Mondes am Horizont zulief - ein Punkt, den der Mond nur alle 18,6 Jahre einmal erreicht.



Die astronomische Grundausrichtung von Newark

Nach dem Verstehen des Oktagons von Newark erkannten die Forscher allerorten weitere astronomische und geometrische Ausrichtungen. Inzwischen ist bekannt, dass all diese Anlagen nicht nur nach einem präzise vorgeplanten Layout erbaut wurden, sondern dass die einzelnen Anlagen gemeinsam nur Teil eines Gesamtplanes waren, eines unsichtbaren Netzes von Linien, die das komplette Gebiet dieser Kultur, die wir heute Hopewell nennen, zu einer einzigen zusammenhängenden Gesamtanlage verbanden. All dies wäre nur aus der Luft überschaubar gewesen. Wie schon in Poverty Point muss hier sehr genau vermessen worden sein. Alles war mit präzisen Koordinaten platziert, jeder Erddamm und jeder Mound am genau vorherberechneten Platz errichtet worden. Alles war mit allem verbunden.

Ein Beispiel: die Entfernung vom Quadrat in Marietta bis zum Zentrum des Oktagons in Newark entspricht exakt dem Erdumfang, geteilt durch 365, die Anzahl der Tage eines Jahres. Es ist nur bedauerlich, dass so viele Daten verloren gingen, weil in der Zeit der ersten weissen Siedler mehr Mounds und Erdwerke zerstört wurden, als uns erhalten blieben.

Woher aber hatten diese Steinzeitmenschen die hervorragenden Kenntnisse in Astronomie, Geometrie und Ingenieurtechnik? Merkwürdig ist die Tatsache, dass die Hopewell diese Anlagen nicht bewohnten. Die Wohnstätten waren weiterhin die einfachen, primitiven Behausungen wie eh und je und lagen ausserhalb der Umschliessungen. Wozu all die Anlagen erbaut wurden, ist völlig unbekannt.

Als hätten die Arbeiter nicht genug damit zu tun gehabt, all die komplizierten Anlagen zu errichten, machten sich andere Gruppen daran, wieder einmal Gegenstände wie am Fliessband herzustellen. Und das in solchen Mengen, dass einige Ausgräber meinen, deren Produktion sei der Hauptzweck der Hopewell-Kultur gewesen. Und das alles nur, um wieder einmal fast alles in Depots unter der Erde bzw. unter Mounds zu vergraben. Es gab zwar auch ein paar wenige Bestattete, denen man reiche Grabbeigaben mitgab, doch das war offenbar nur eine Randerscheinung. All diese Abertausende kunstvoller Gegenstände wurden nicht für den eigenen Gebrauch hergestellt - aber auch nicht als Handelsobjekte.

Von vielen der von den Hopewell hergestellten und dann vergrabenen Gegenständen wissen wir bis heute nicht, was sie eigentlich darstellen. Da gibt es Buttons, Scheiben, Plättchen, Stäbe, Ringe, angebliche Senkbleie (wieder einmal!), künstliche Nasen mit Atemröhren, metallene geweihähnliche Gegenstände, Brustplatten und vieles mehr aus Eisen, Kupfer, Gestein, Glimmer usw. In Depots lagerten Kugeln aus Pyrit, Doppelringe aus Kupfer, Scheiben, Kombinationen aus Stab und Ring, Kreise, Quadrate und Halbkreise aus Kupfer und Meteoreisen.


Glimmer-Artefakte aus den Turner Mounds


Viele Artefakte machen einen eher technologischen Eindruck, als den von Schmuck. Die Archäologen definieren dies alles viel zu vorschnell durch die Bank weg als Zeremonialobjekte. Es gab Werkstätten, die auf die Herstellung von Gegenständen aus bestimmtem Material spezialisiert waren, wie z.B. eine Anlage am Paint Creek, wo allein über 10.000 Artefakte aus Obsidian, mehr als 30.000 aus Glimmer und über 8000 runde Scheiben aus Flintgestein in Depots lagerten.



Zeichnerische Rekonstruktion des Flintscheiben-Depots unter einem Hopewell Mound


Für die Archäologie stellen die Depots - auch als Altäre bekannt oder Opfer - ein grosses Rätsel dar. Es gab sie praktisch in allen Hopewell-Anlagen. Die Hopewell haben anscheinend unermüdlich Gegenstände aus Glimmer, Kupfer, Meteoreisen, Gestein u.a. Materialien hergestellt, in die Anlagen gebracht und dann sorgfältig und systematisch vergraben. Viele Artefakte waren kunstvoll arrangiert worden vor dem Eingraben, manchmal bunte Mischungen aus ganz verschiedenen Gegenständen, als ob man hier einen repräsentativen Querschnitt durch die handwerklichen Künste haben zeigen wollen. Doch wem? All diese Depots: waren dies Lager? Verstecke? Ein Opfer? Für wann und für wen?


Steinscheiben aus Meteoreisen aus einem Hopewell-Depot



Kupferartefakte aus den Turner Mounds


Rätselhafter Gegenstand aus Kupfer, Turner Mounds


Chlorit-Ring aus einem Hopewell-Depot


Man vergräbt Sachen eigentlich nur aus zwei Gründen: entweder will man etwas verstecken - oder man will etwas für später oder für jemanden sicher lagern. Doch dieser Jemand hat offenbar die Sachen noch nicht abgeholt. An all die Spekulationen um Altäre oder Opfer mag ich nicht recht glauben. Sollten die Hopewell, die so hochstehende astronomische Anlagen erbauten und zu einem Masterplan kombinierten, nicht für diese Depots ganz praktische Gründe gehabt haben?

Zwei Anlagen der Hopewell fallen zwar aus dem Rahmen, passen aber gut in das Gesamtbild: der Great Serpent Mound und der Alligator Mound. Beim Great Serpent-Mound weiss man inzwischen sicher, dass er nicht wirklich eine Schlange darstellt, sondern einen komplexen astronomischen Kalender, beim Alligator Mound wird dies bereits vermutet, muss aber noch verifiziert werden.


Der Alligator-Mound


Der Great Serpent Mound wurde übrigens genau am Rand eines Kraters angelegt, den ein vor ca. 250 Millionen Jahren auf die Erde einschlagender Himmelskörper verursacht hatte, wie wir erst seit wenigen Jahren wissen. War die Auswahl dieser Stelle Absicht oder nur ein Zufall?


Luftaufnahme des Great Serpent Mound



Die astronomischen Ausrichtungen des Great Serpent Mound


So wie schon bei Poverty Point, so war auch das Ende der Hopewell-Kultur rätselhaft und abrupt. Warum hörte diese hochstehende Kultur einfach auf, zu existieren? Warum wurden keine weiteren Anlagen mehr erbaut? Warum keine weiteren Gegenstände hergestellt? War ein Projekt abgeschlossen? Die Hopewell verliessen ganz einfach die Stätten und Arbeitsplätze und kehrten mehr oder weniger wieder zu ihrer Kulturstufe zurück, auf der sie sich vor dem Kultursprung befunden hatten. Weilten keine Masterplaner mehr unter ihnen, die ihnen Aufträge erteilten? Waren die Kulturbringer nach Abschluss dieses Grossprojektes davongegangen, die Menschen sich selbst überlassend?


Effigy Mounds

Doch die Kulturspringerei sollte noch weitergehen. Wieder einige Jahrhunderte später begann ein neues und einzigartiges Bauprojekt, diesmal mit dem Zentrum in Wisconsin. Hier fingen urplötzlich Steinzeitnomaden an, wie am Fliessband Bilderhügel aus Erde zu erbauen, und dies in einer Grössenordnung von Zehntausenden, von denen leider bis heute nur ein Bruchteil überlebt hat.

Sie bauten Mounds in der Form verschiedener Tiere, in Menschenform, aber auch lineare, kreuzförmige, runde und Kombinationen. In vielen Fällen mag die "Sieht-aus-wie"-Methode der modernen Forscher sicherlich zu Fehlinterpretationen geführt haben.

Effigy Mounds, Skizze von Squier und Davis 1848


Fast immer wurden diese verschiedenen Mounds zu Gruppen arrangiert. Wieder einmal wurde Korb um Korb Erde herbeigeschleppt, um - was zu machen? Eine grosse Region in ein nur aus der Vogelperspektive erkennbares riesiges Bild zu verwandeln? Niemand weiss bisher, warum plötzlich all diese Effigy Mounds angelegt, warum wieder einmal Leute versammelt wurden, um sie ein arbeitsaufwendiges und eigentliches unpraktisches Bauprojekt ausführen zu lassen. Erst seit allerjüngster Zeit beginnen die Archäologen zu ahnen, dass es auch bei den Effigy Mounds einen astronomisch-geometrischen Hintergrund zu geben scheint. In einigen ersten Fällen konnten bereits lunare und solare Ausrichtungen bestätigt werden. Doch hier ist die Forschung noch ganz am Anfang.


Einer der Bären der Marching Bear Group, Wisconsin: moderne High Tech enthüllt magnetische Eigenschaften


Die Effigy Mounds bergen zudem noch ein überraschendes Geheimnis. 1999 untersuchte ein Archäologen-Team fünf Mounds der Marching Bear Group in Wisconsin mit moderner High Tech. Dabei stellte sich heraus, dass das Material, aus dem die Bilderhügel erbaut waren, stark magnetisch war. Niemand hatte eine Ahnung, was dies zu bedeuten habe. Um Zufall konnte es sich nicht handeln, das Erdmaterial war sorgfältig ausgewählt und dann aufgehäuft worden. Man weiss noch nicht, ob dies Merkmal auf viele andere - vielleicht alle? - Effigy Mounds ebenso zutrifft. Diese Bilderhügel und linearen Strukturen, die selbst aus der Luft heraus nur sehr schwer erkennbar sind, vom Boden aus fast gar nicht, wären sicher hervorragende Objekte für Remote Sensing Technologie an Bord eines Flugzeuges oder Satelliten.

Eines unterscheidet die Effigy Mound-Kultur von Poverty Point und den Hopewell: diesmal gab es keine Massenanfertigung von Gegenständen und kein Anlegen von unterirdischen Depots - soweit wir bisher wissesn! Aber in einem Punkt gibt es eine Parallele: diese Kultur hörte ebenso abrupt auf, wie die vorhergehenden. Praktisch von einem Tag auf den anderen wurden keine Bilderhügel mehr angelegt, und man zog wieder als Jäger und Sammler des Weges.


Die Mississippi-Kultur

Bevor die ersten Weissen nach Nordamerika kamen und einen ganz modernen Kultursprung auslösten, kam es noch einmal zu einem unerklärlichen Big Bang. Im Gebiet rund um den Mississippi und seine Nebenflüsse hausten vor gut 1000 Jahren einfache Steinzeitbauern. Doch aus heiterem Himmel fingen auch sie an, wie am Reissbrett entworfene Mega-Cities aus Erde zu erbauen, wieder einmal nach exakt vorgeplantem Layout auf astronomischer und geometrischer Basis.
Die Grösse dieser Städte und die Anzahl der Mounds und Strukturen stellte alles zuvor dagewesene in den Schatten. Wieder einmal hatte jemand zahlreiche Menschen für ein Grossprojekt versannelt und die ehemaligen kleinen Siedlungen waren fast alle verlassen.
Wie schon in Poverty Point und bei den Hopewell legten auch die Vertreter der sog. Mississippi-Kultur rätselhafte Material-Depots an. Pfundweise wurden hier Perlen, Pfeilspitzen und anderes vergraben.
Und ebenso wie Poverty Point, die Hopewell und die Effigy Mound-Kultur hörte auch die Mississippi-Kultur auf uns unerklärliche Weise abrupt auf zu existieren. Ob irgend einer der Indianerstämme, die die ersten Weissen dann in diesem Gebiet vorfanden, Nachfolger dieser Kultur war, ist unklar. Nie wieder wurden astronomisch-geometrische Erdwerkanlagen oder -städte erbaut.

Die wichtigste Frage um diese rätselhaften Kultursprünge dreht sich um deren unbekannte Verursacher. In unserer modernen Zeit gibt es Beispiele für neue Religionen, die sich nach dem Kontakt von sog. Primitiven mit ihnen höherstehenden Besuchern bildeten, wie z.B. die Cargo-Kulte der Südsee. So etwas gibt es auch in Nordamerika. Gegen Ende der Mississippi-Kultur etablierte sich eine ganz neue Religion, der sog. Southern Cult. Die Archäologen rätseln um den Grund für den Beginn dieses Kultes, denn es wurde nichts gefunden, aus dem er sich entwickelt haben könnte. Er kam praktisch wie aus dem Nichts in der Endphase der Mississippi-Kultur auf.
Neben geometrischen Motiven kommt auffallend oft das des sog. Birdman vor, des Vogelmenschen. Immer und immer wieder bildeten diese Menschen humanoide Gestalten ab, die eine Mischung aus Mensch und Vogel repräsentieren, meist mit Flügeln ausgestattet, manchmal mit vogelähnlichem Kopf, den die Archäologen aber auch alternativ und vage als "Langnasengott" deuten. Was dies Motiv bedeuten soll, ist völlig unklar.

Einige wenige Beispiele für "Birdmen" der Mississippi-Kultur
Dekorierte Muschelscheiben sowohl der Hopewell als auch der Mississippi-Kultur zeigen seltsame Mischwesen und gefiederte Schlangen, über deren Bedeutung auch unter den Archäologen wild spekuliert wird.
Rätselhaft sind auch die unzähligen Figurinen, die einen anormalen verlängerten Schädel zeigen, wie es ihn nirgendwo auf unserem Planeten in natura gibt. Solche Figurinen gibt es von Poverty Point, den Hopewell und der Mississippi-Kultur. Leider steht mir hiervon noch kein Bild zur Verfügung.
Verblüffende Parallelen
Merkwürdig ist die Tatsache, dass auch die Olmeken in Mittelamerika begannen, Figurinen, Monumente u.a. herzustellen, die diese langschädligen Personen darstellen, und zwar genau ab der Zeit nach ihrem urplötzlichen Kultursprung um 1200 v.Chr. mit den darauf folgenden geometrisch-astronomisch angelegten Stätten, der Massenherstellung von Gegenständen, dem Anlegen von unterirdischen Materialdepots und dem ebenso abrupten Ende der Kultur. Auch in Mittelamerika wurden ab der Zeit des Kultursprungs "Birdmen", "gefiederte Schlangen", seltsame Mischwesen und Landschädler zu Hauptmotiven in der darstellenden Kunst.
Es gibt noch eine deutliche Parallele. Etwa zur gleichen Zeit wie die Mississippi-Kultur machten drüben im Südwesten der heutigen USA die Anasazi-Indianer einen abrupten Sprung vom Steinzeitbauern zur Hochkultur und begannen praktisch von einem Tag auf den anderen mit dem Bau vorgeplanter steinerner Great Houses und Kalenderanlagen. Das gigantische Bauprojekt verwandelte fast das gesamte Gebiet der heutigen Staaten Utah, Colorado, Arizona und New Mexico in ein Netz unsichtbarer astronomisch-geometrischer Linien, einen Gesamt-Masterplan darstellend. Überraschenderweise ist anscheinend noch kein Archäologe auf die Idee gekommen, einmal an den Schnittpunkten dieser unsichtbaren Linien und denen beispielsweise der Hopewell zu graben.
Auch die Anasazi begannen mit der Massenproduktion von Gegenständen, die sodann von allen Seiten ins Zentrum, den Chaco Canyon, gebracht und hier gelagert, wenn auch nicht wie bei den Moundbuildern unter der Erde vergraben wurden. Die Archäologen reden in diesem Fall von der "Black Hole"-Hypothese. Und auch diese Hochkultur endete ebenso abrupt wie die der Moundbuilder-Kulturen.
Nach dem Ende der Anasazi-Kultur - und erst dann! - bildete sich eine ganz neue Religion, zuerst als Darstellungsmotiv auf Felsbildern und Keramik, dann zur Zeit der ersten weissen Siedler voll ausgebildet mit Zeremonien, Mythen und Riten um die sog. Kachinas, an die sich noch die heutigen Pueblo-Indianer (die die Regionen rund um das einstige Anasazi-Gebiet bewohnen) erinnern als an himmlische Lehrmeister, die von irgendwoher zu den Menschen kamen und dann irgendwann wieder irgendwohin verschwanden. Wichtigstes Merkmal dieser Kachinas: rätselhafter "Kopfschmuck".
Rätselhaften Kopfschmuck tragen auch der sog. Foxman von Poverty Point, Figuren der Hopewell, einige der humanoiden Effigy Mounds und "gehörnte Wesen" auf gravierten Muscheln der Mississippi-Kultur.
Geben diese Darstellungsmotive vielleicht Hinweise auf die unbekannten Verursacher all der rätselhaften Kultursprünge, auf die unbekannten Masterplaner? Ich möchte diese Frage so im Raum stehen lassen, vielleicht gibt sie ja dem einen oder anderen unter ihnen Anregungen zum Nachdenken.
Mehr zum Thema:
Gisela Ermel
Das Moundbuilder-Phänomen.
Erdhügel, Kultursprünge und Masterplaner: Rätselhafte prähistorische Spuren in Nordamerika.
Ancient Mail-Verlag, Gross-Gerau2008
ISBN 978-3-935910-57-8
342 Seiten, zahlreiche Abbildungen





















































































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